Markus Lanz warnt vor explodierenden Sozialausgaben und spricht vom „Kleinsparer“ als tragender Figur des Wohnungsmarkts. Doch die Daten widersprechen: Weder bei den Eigentumsverhältnissen noch bei der Sozialquote halten die Narrative von Lanz das was sie vorgeben. Ein Faktencheck über Mythen, Zahlen und politische Fehlanreize.
In seiner Sendung vom 10.02.2026 bemühte Markus Lanz erneut den Begriff des „Kleinsparers“ – wie schon am 29.04.2025. Nach seiner Darstellung befinden sich zwei Drittel des deutschen Wohnungsmarktes in der Hand von „Kleinsparern“ mit rund 2.400 Euro Nettoeinkommen: „Die waren tüchtig und haben sich das vom Mund abgespart.“
Diese Erzählung hält einer näheren Betrachtung jedoch nicht stand. Bereits 2025 berichtete der Berliner Mieterverein über eine Studie, wonach 72 % der privaten Mietwohnungen Personen gehören, die mehr als nur eine Mietwohnung besitzen. 54 % dieser Eigentümer verfügen sogar über mehr als fünf Mietwohnungen. Von einer breiten Masse an „Kleinsparern“ kann also kaum die Rede sein.
Auch bei den Sozialausgaben argumentierte Markus Lanz mit unzutreffenden Zahlen. Um die angebliche Dramatik der Entwicklung zu illustrieren, verwies er auf die Sozialquote – also den Anteil der Sozialleistungen am Bruttoinlandsprodukt – und behauptete: „1992 haben wir 35 % des Gesamtbudgets [gemeint ist: des BIP] für soziale Leistungen aufgewendet. 2024 sind wir bei knapp 50 %.“
Das ist schlicht falsch. Tatsächlich lag die Sozialquote 1992 bei 30,2 % und 2024 bei 31,2 %. Von einer Explosion der Sozialausgaben kann also keine Rede sein.

Quellen: Statistisches Bundesamt, Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), eigene Darstellung
Ich bin nicht dafür, die Finanzierungsprobleme des Gesundheitssystems über die Einnahmeseite zu lösen – wir haben bereits heute eines der teuersten Gesundheitssysteme weltweit. Aber eine einseitige Belastung unterer Einkommensgruppen, die Leistungskürzungen nicht kompensieren können, birgt die reale Gefahr, weitere Bürgerinnen und Bürger an den rechten Rand zu verlieren.
Markus Lanz scheint dennoch Sympathien für Vorschläge zu haben, wie sie aus unionsnahen Kreisen eingebracht werden. Und das, obwohl die telefonische Krankschreibung nur rund 1 % aller Krankschreibungen ausmacht und zahnärztliche Behandlungen inklusive Zahnersatz lediglich etwa 5,5 % der GKV-Ausgaben verursachen.
Ich bin nicht grundsätzlich gegen Leistungskürzungen. Aber bevor wir bei den Leistungen ansetzen, sollten wir unsere Hausaufgaben machen – und an die Strukturen gehen.